Sodalität Charles de Foucauld

Leben der Sodalität

Die Sodalität, auch Unio der Brüder und Schwestern Jesu genannt, versteht sich als eine spirituelle Gemeinschaft von Christen, die über die ganze Welt verstreut sind. Es sind Frauen und Männer, verheiratet, unverheiratet, Priester, Ordensleute, die irgendwann in ihrem Leben vom Geheimnis der Menschwerdung Gottes berührt worden sind und so wie Jesus von Nazaret in dieser Welt ganz unspektakulär ihr Nazaret-Dasein leben wollen. "Nazaret" stellt den Anspruch, dass persönliche Beziehungen nicht auf Kosten von Strukturen zugrunde gehen dürfen. Jede und jeder ist eingeladen, seinen Fähigkeiten entsprechend, der Menschwerdung Gestalt zu verleihen, so wie es ihm vom Geist Gottes gegeben ist. Wesentlich auf diesem Weg sind
-- Freundschaft, feinfühlender Respekt vor den anderen, ihren Überzeugungen und ihrem Suchen nach ihrem Platz in dieser Welt
-- Engagement für eine soziale und spirituelle Weiterentwicklung der Menschen
-- Solidarität mit denen, welche die Einsamkeit als Last erfahren, und mit denen die sich überfordert fühlen in einer schnelllebigen, übertechnisierten Welt
-- die Meditation des Evangeliums als Kraftquelle für ihr kontemplatives Leben inmitten dieser Welt


In den alltäglichen Beziehungen die verborgene Gegenwart Gottes in den Herzen der Menschen entdecken, trotz einer Welt voller Konflikte und Zerrissenheit, trotz einer Welt, die ohne Gott auszukommen scheint; darin wollen die Brüder und Schwestern ihren Blick schulen. Gott dort zu begegnen, wo man ihn nach menschlichen Kriterien nicht mehr erwartet. Hierin ist ihnen Charles de Foucauld ein sicherer Begleiter.


Gründung und Entwicklung:

"Die Sodalität ist zu Lebzeiten Charles de Foucaulds entstanden," so betont Louis Massignon (international anerkannter Arabist und Islamologe) 1955 auf der Versammlung in Béni Abbes. In den letzten Jahren seines Lebens, in denen Foucauld zu seiner vollen Identität und spirituellen Reife gelangt ist, ruft er eine Association ins Leben, er gründet die Unio. Massignon wird diese später Sodalität nennen.
Was ist das Wesentliche dieser letzten Jahre seines Lebens? In einem Brief an Abbé Huvelin beschreibt Foucauld dies mit wenigen Worten: "Meine Zeit ist aufgeteilt in Gebet, Beziehungen zu den Einheimischen und den Arbeiten an der Tuareg-Sprache."
Um Mitglieder zu gewinnen reist Foucauld mehrmals nach Frankreich. Er wollte Frauen und Männer begeistern, durch Freundschaft, Liebe und Zurückhaltung das Evangelium zu verkünden.
Bei seinem Tod zählte die Unio 49 Mitglieder. Er selbst hatte sich als 9. in die Liste eingetragen. Louis Massignon ist auf dem 48. Platz zu finden. Massignon, der sich Foucauld 1913 anvertraut hatte, fühlte sich nach dessen Tod für dieses Vermächtnis verantwortlich. Es war ihm ein Anliegen, dass das spirituelle Gut Foucaulds, so wie er es von ihm übernommen hatte, beachtet und veröffentlicht wurde. Er war es, der René Bazin (französischer Schriftsteller) beauftragte, Foucaulds Biographie zu schreiben.


Wie ist die Sodalität organisiert?

Die Sodalität ist keine Organisation im herkömmlichen Sinne. Sie ist vielmehr ein spirituelles Netzwerk engagierter Christen, die offen sind für das Wirken Gottes in ihren alltäglich gelebten Beziehungen.

Das Netz von Mitgliedern wird in den verschiedenen Sprachregionen von sogenannten Koordinatoren begleitet und unterstützt. Diese verstehen sich als Kontaktpersonen, als Verbindungsglieder unter den Brüdern und Schwestern. Wer der Sodalität beitreten will, nimmt mit dem Koordinator der jeweiligen Region Kontakt auf und klärt mit ihm seine Beweggründe. Freundschaft ist die Basis für Kontakte und Treffen unter den Mitgliedern. Regelmäßig verpflichtende Treffen sind nicht vorgesehen. Jedes Mitglied jedoch weiß sich vom Gebet des spirituellen Netzes getragen, das die Brüder und Schwestern bilden. Zweimal jährlich erhalten die Mitglieder einen Rundbrief. Ihre Zahl ist inzwischen auf ca. 900 gestiegen, dank Jean Francois Six (französischer Priester und Schriftsteller). Er war über viele Jahre der einzige Koordinator der Sodalität. Ihm wurde diese Aufgabe von Louis Massignon übertragen. Als ausgezeichneter Foucauld-Kenner hat J.F. Six einen Großteil der Korrespondenz Foucaulds ausfindig gemacht, geordnet, veröffentlicht und so allen zugänglich gemacht.

"Die Briefe der Unio-Sodalität, die informellen Begegnungen unter den Mitgliedern dienen dazu, dass wir unsererseits schöpferisch tätig werden, so wie Charles de Foucauld es getan hat. Er hat es auf keine perfekte, idealistisch, engelhafte Weise realisiert, sondern menschlich und einfach, seinen Fähigkeiten und seinen Fehlern entsprechend, so wie es ihm eben möglich war. Wir unterstützen uns gegenseitig auf diesem Weg, der für jede und jeden von uns einmalig und einzigartig ist: Nazaret in unserem Leben, dies will jeden Tag aufs Neue gestaltet werden... Der Geist treibt uns voran, das Leben des auferstandenen Christus in die Welt zu tragen und wir sind in ganz besonderer Weise beauftragt, zuerst zu denen zu gehen, die unserem Gott der Liebe am entferntesten stehen" (J.F. Six, Januar 2004; aus einem Brief an die Mitglieder).

Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der Unio Sodalität

Kontaktadresse für den deutschsprachigen Raum:

Siegfried Springsguth
Am Frankenweiher 4
88348 Bad Saulgau


Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!